Pages Navigation Menu

Brände auf Verlangen

Brände auf Verlangen

Vom Härdöpfeler über Gin bis zum besten Schweizer Single Malt Whisky – die Brennerei Schwab kann alles. Und zwar schon sehr lange und sehr gut.

«Haben Sie bei uns Ihre Quitten einmaischen lassen? Für die längere Wartezeit entschuldigen wir uns. Ganze 14 Tonnen Quittenmaische zu verarbeiten, ist für uns eine Herausforderung und gleichzeitig eine grosse Ehre.» Mit dieser sympathischen Notiz auf der Website appelliert die Familie Schwab an die Geduld ihrer Kunden. Die Geschäfte der Brennerei Schwab in Oberwil bei Büren laufen gut. Und auch an neuen Schnaps-Ideen fehlt es nicht, die gehen nie aus. Ganz im Gegensatz zur ersten Gin-Produktion, die bereits nach kurzer Zeit ausverkauft war. Da hatten die Kreativköpfe der Brennerei Schwab einen guten Riecher und waren just zum Gin-Boom mit ihrem aussergewöhnlich feinen Brand zur Stelle. «Wenn wir erst auf den fahrenden Zug aufspringen würden, wären wir zu spät. Schliesslich wird der Produktionsprozess von langer Hand vorbereitet», erklärt Manuela Schwab, die in vierter Generation den Familienbetrieb schon heute tatkräftig mitprägt. Sie erzählt aus der Firmengeschichte, die gleichzeitig auch Familiengeschichte ist. «Mein Urgrossvater hat die Brennerei 1919 gegründet. Zu seinen Ehren haben wir den «Rächämachers Gin» kreiert», erklärt die Urenkelin. Ein Gin, der eine aussergewöhnliche Aromenvielfalt zeigt und nach dem Spitznamen des Urgrossvaters «Rächämacher» benannt ist.

Die Entscheidung, ins traditionsreiche Familienunternehmen einzusteigen, war für die junge Frau weder selbstverständlich noch spontan. Es sei ein wichtiger Reifeprozess gewesen. «Heute bin ich sehr glücklich, hier gemeinsam mit meinem Vater am Brennofen zu stehen, gemeinsam mit meiner Mutter zusammenzuarbeiten.» Dass Manuela Schwab, die nach der Matura, einer kaufmännischen Ausbildung nun auch professionelle Lehrgänge zur Brennmeisterin absolviert, in einigen Jahren die Familienbrennerei von ihren Eltern übernehmen wird, ist klar. So klar, wie die vielen Obstbrände, die seit dem fruchtreichen Sommer 2018 bei der Familie Schwab produziert werden, inklusive der Quitten. Alles in Handarbeit, alles mit viel Können und alles mit grosser Sorgfalt. Die Güte eines Destillats hänge von der Qualität der Maische, von der richtigen Temperatur und der Geschwindigkeit des Brennvorgangs ab. Manuela Schwab engagiert sich für die Familienbrennerei, ist fasziniert vom Handwerk und eine gute Kommunikatorin. Bei Besichtigungen führt sie gekonnt durch die Räumlichkeiten, bringt dem Publikum einen Brennvorgang genauso nah wie die anschliessende Verkostung.

Die schönen Brennkessel aus Kupfer zieren die Brennerei und werden so subtil bedient, dass ein Destillat entsteht, das gefällt. Im besten Fall sogar Furore macht. Wie der prämierte «Buechibärger Rouch Whisky», der mit Bestnote zum «Switzerland’s Best Whisky National» gekürt wurde. «Eine grosse Ehre und schöne Anerkennung», freut sich Patron Alfred Schwab. Beim Thema Whisky zeigt der Firmenchef seine wahre Passion. In seinem feinen Whisky-Keller läuft er zu Höchstform auf, erzählt von den verschiedenen Produkten und davon, dass der prämierte Whisky schnell ausverkauft war und erzählt auch von seinen aktuellen Schwierigkeiten: Alfred Schwab sucht Holzfässer. Er baut seinen Whisky im Chardonnay-Fass aus und braucht dazu dringend Nachschub. Doch die gewünschten Holzfässer sind heiss begehrt und schwer zu bekommen. «Wir haben alle unsere Kontakte angepeilt.» Schwab lässt aber keine Zweifel offen, dass er diese Chardonnay-Fässer schon bald finden wird. 

In der Brennerei Schwab treffen Tradition auf Innovation, wird altes Handwerk mit modernem Zeitgeist vereint – ein Familienbetrieb, in dem die neue Generation nicht nur mitarbeitet, sondern auch mitwirkt. Das macht die Brennerei Schwab aus, das macht sie erfolgreich. Den Grundstein für das Familienunternehmen legte Albert Schwab im Jahr 1919. Mit seiner Störenbrennerei ging er bis in die 1950er-Jahre von Bauernhof zu Bauernhof und brannte Schnaps. Zuerst alleine, später dann mit seinem Sohn Paul – bis dieser die Brennerei 1955 in Oberwil fest etablierte und sesshaft wurde. Damals diente die Brennerei als Nebenerwerb zur Drescherei und Landwirtschaft. Bis die 3. Generation ans Ruder kam, bis 1982, als Alfred und Elisabeth Schwab die Brennerei zur Hauptrolle und zum Haupterwerb machten. Noch heute sei die Lohnbrennerei der Hauptgeschäftszweig. «Für uns ist besonders wichtig, dass jeder Kunde seinen Schnaps aus seiner eigenen Maische zurückbekommt», betont Manuela Schwab. «Deshalb stehen in unserer Brennerei Brennhäfen mit verschiedenem Füllvolumen.»

Weitsicht, stetige Erneuerungen und eine umfangreiche Sanierung haben dazu geführt, dass die Brennerei innovative und erfolgreiche Produkte produziert, die mittlerweile schweizweit für Begeisterung sorgen. Früher brannten die Schwabs ausschliesslich Schnäpse wie Kirsch oder Zwetschge, dann wurde das Sortiment mit «Härdöpfler» und «Buechibärger Whisky» erweitert. Und heute stehen nun Gin, Himbeergeist und Calvaross im Verkaufsregal. Dass im «Labor» bereits neue Idee gären, erstaunt wenig. Rum aus Zuckerrohrmelasse und Bourbon aus eigenem Getreide könnten es werden. Schwabs Stammkunden bleiben gespannt, schauen spontan in der Brennerei vorbei und holen sich die neuen Destillate gleich an der Quelle ab.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather