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Vier Lebensgeschichten

Vier Lebensgeschichten

1964 sang sich die blutjunge Gigliola Cinquetti mit ihrem Chanson «Non ho l’età» an die Spitze des Festivals von San Remo und holte auch gleich noch den Sieg im Eurovision Contest. Es wurde einer der populärsten Songs der damaligen Zeit, einer Zeit, als extrem viele Migranten ihre Heimat Italien verlassen mussten, um in der Schweiz Arbeit zu finden. Gigliola Cinquetti rührte an die Gefühle dieser hierzulande nicht eben mit offenen Armen willkommen geheissenen Fremdarbeiter: Sie fasste deren Sehnsucht, Heimweh und Not in Töne. Die Sängerin erhielt über Jahre hinweg insgesamt 140’000 Briefe – viele Schreibende schilderten ihre Situation in der Fremde und baten sie sogar auch hin und wieder um Hilfe.

Der in Lugano geborene Regisseur Olmo Cerri wühlte sich durch diese unvorstellbare Flut von Briefen, wählte vier davon aus, spürte die Schreibenden auf und konfrontierte sie jetzt, fünfzig Jahre später, mit ihrer damaligen Post an die Sängerin. In seinem Film können wir die Reaktionen und die Geschichte von Carmela, Don Gregorio, Gabriella und Lorella miterleben. Mitgeschnitten werden Zeitdokumente wie die strengen Passkontrollen an der Grenze und die Propagierung der Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach.

Die vier so unterschiedlichen Lebensgeschichten rühren an. Sie erzählen von Migration und den Traum vom besseren Leben, aber auch von Schwarzarbeit, Ausgrenzung, versteckten Kindern und Fremdenhass. Das Bild der Schweiz wird jedoch trotz allem recht liebevoll gemalt: viel Perfektion, aber auch solidarische Menschen – «die Schweiz ist schön, sehr schön – aber hier, in Italien, hier ist das Paradies», sagte eine alte, wieder heimgekehrte Frau sehr bestimmt. Olmo Cerri und seinem Team ist ein bewegendes, eindrückliches Dokument gelungen, das bei aller Tiefgründigkeit auch oft zum Schmunzeln und gar zum laut Herauslachen animiert.

filmtage8

Mo 29.1.2018 | 12:30 | Palace

 

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