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Wilde Wüste, wildes Kind

Wilde Wüste, wildes Kind

Es ist unglaublich, dieses Kind. «Rühr mich nicht an», schreit die etwa zehnjährige Frida, wenn ihr ein Fremder die Hand auf den Arm oder den Kopf legen will, «fuck you», teilt sie aus, wenn ihr etwas nicht passt. Schon ihr erster Auftritt im Film «My Little One» ist beeindruckend: Alex und Bernardo, zwei Männer, die einst eng befreundet waren, stehen am Strassenrand in der Wüste von Arizona und wissen nicht, ob ihre damalige Freundin und Geliebte Jade, die sie aus unerfindlichem Grund in diese Einöde bestellt hat, sie auch wirklich abholen wird. Da braust ein bulliger Truck an, am Steuer die kleine, wilde Frida, die «hopp, steigt ein» ruft und in haarsträubendem Tempo zu einem einsamen Mobilhome kurvt. Ihre Mama Jade schläft, sie kriecht zu ihr ins Bett, die beiden Besucher können selber schauen, wo sie bleiben.

So haben Alex und Bernardo jede Menge Zeit, über ihre einstige Freundschaft, über ihre damalige Verliebtheit in die faszinierende Jade, über die zehn Jahre seit ihrem letzten Treffen und ihr heutiges Leben zu grübeln. Irgendwann ahnen sie auch, warum Jade sie wohl herbestellt hat: Sie ist schwer krank. Und angesichts des nahen Todes will sie ihr Kind den beiden Männern, die wohl beide auch der Vater von Frida sein könnten, anvertrauen.  Der Schluss bleibt offen: Sie balsamieren die tote Jade ein, so wie sie es sich gewünscht hat, Frida zündet zum Abschied das Mobilhome an – und die drei fahren gemeinsam hinaus in die weite Wüste. Die Zukunft muss man sich selber ausmalen. 

Der Film «My Little One» der Regisseure Julie Gilbert und Frédéric Choffat erlebte an den diesjährigen Filmtagen seine Weltpremiere, Ende Februar kommt er in die Schweizer Kinos. Anna Mougialis (Jade), Mathieu Demy (Bernardo) und Vincent Bonillo (Alex) verkörpern ihre Rollen ideal als Schwankende zwischen einstiger Besessenheit und Nähe und dem so ganz anderen Heute. Ruby Matenko spielt sie jedoch als wilde, ungezähmte und doch so sensible und altkluge Frida glatt an die Wand. 

Der Film «My Little One» ist für den Prix Public nominiert.

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